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rhein.tanzmedia.web // Juryierung und Preisträger/innen

 
Wir möchten den KünstlerInnen für die Teilnahme an "rhein.tanzmedia.web", dem internationalen Wettbewerb für eine Netz/Tanz/Performance danken.
Die Einreichungen waren sehr vielseitig in ihren Ansätzen, die Verbindung von Tanz und Internet oder anderer Möglichkeiten der Online Übertragung zu erforschen. Es war ein spannender Auswahlprozess und die Entscheidung, die nach zwei Tagen getroffen wurde, reflektiert die Bandbreite der Projekte.
Die Jury hat drei Preise vergeben: den "rhein.tanzmedia.net" Preis für die Produktion und Präsentation eines Projekts, den "Förderpreis der rheinland ag" sowie einen Sonderpreis der Jury als Auszeichnung der eingereichten Idee und als Anregung zur weiteren Recherche.

Der "rhein.tanzmedia.net" Preis geht an die amerikanische Medienkünstlerin Rebecca Allen und die Choreographen/Performer Hanna Sim und Mark Steger der Performance Gruppe osseus labyrint. Ihr Projekt umfasst eine interaktive Medieninstallation, die mit einer Live Performance an einem anderen Ort kombiniert ist. Aufnahmen der Live-Performance werden in die Installation und zeitgleich ins Internet übertragen. Mehrere Einreichungen beschäftigten sich mit dieser Thematik, das Gemeinschaftsprojekt von Rebecca Allen und Osseus Labyrint war unserer Meinung nach am überzeugendsten in der Integration der unmittelbaren Körperlichkeit einer Live Performance und ihrer vernetzten, mediatisierten Präsenz. Die Rolle des Zuschauer/ Betrachter und/oder Teilnehmer wird aus verschiedenen Perspektiven erforscht.

Für den "Förderpreis der rheinland ag" haben wir das Konzept des Choreographen/ Researchers Ivar Hagendoorn "The Fisher Account" ausgewählt, der über das Internet abrufbare Börseninformationen mit einer Datenbank von vorproduzierten Bewegungen und Tanzsequenzen koppelt. Die Verwendung von Datenströmen aus dem Internet zur Manipulation von digitalem Bildmaterial ist eine formale Strategie, die bereits seit einiger Zeit von Medien- und NetzkünstlerInnen angewendet wird. Unseres Wissens ist die Verbindung von Bewegungsvokabular und choreographischen Ideen mit dem, was essentiell die (elektronische) Live Präsenz des Internets ausmacht, bisher nicht in expliziter Weise erprobt worden. Sich für die flirrenden Datenmuster des Weltfinanzmarktes in ihrer weitreichenden Bedeutung zu entscheiden, eröffnet eine außergewöhnlichen Konstellation von Möglichkeiten, auf deren Realisation im Web wir gespannt sein können. rhein.tanzmedia.web war konzeptioniert als Ideenwettbewerb. Das Netzwerk hat sich entschieden, beide oben genannten Projekte zu produzieren (Gesamtproduktionsvolumen: ca. 90.000.- Euro).

Unter den TeilnehmerInnen gab es eine Anzahl von interessanten Vorschlägen jüngerer KünstlerInnen, die unserer Meinung nach jedoch weiter erforscht und entwickelt werden sollten, ohne dass sie dem Erwartungsdruck der fertigen Produktion und Präsentation ausgesetzt sind. Die Jury hat sich deshalb dafür ausgesprochen, einen Sonderpreis an Stephanie Thiersch und Micha Purucker für ihre Idee zu dem Projekt "attitudes passionelles im reality mix" zu vergeben, der sie in ihrer weiteren Recherche zu den "Repräsentationsmöglichkeiten kinästhetischer und sinnlicher Erlebnisse ohne deren direkte Präsenz" unterstützt. Der Sonderpreis der Jury ist mit 5.000,- Euro dotiert.

Die Jury möchte den OrganisatorInnen des Wettbewerbs für ihren engagierten Einsatz und ihre Vision danken, diese interdisziplinäre Plattform im Bereich von Tanz und neuen Technologien zu realisieren. Wir sind gespannt auf die Ergebnisse der drei Projekte, die mit dem Wettbewerb gefördert werden.


Prof. Dr. Marie-Luise Angerer (Kunsthochschule für Medien, Köln)
Scott deLahunta (Dartington, College of Arts, UK)
François Raffinot (IRCAM/Département Chorégraphique, Paris)
Gerfried Stocker (ars electronica, Linz)
Bonn, 20. Januar 2002

Das Netzwerk rhein.tanzmedia.net ist ein Projekt der rhein land ag, einem Bündnis für Kultur, zu dem sich die Städte Köln, Düsseldorf, Duisburg, Bonn und der Landschaftsverband Rheinland zusammengeschlossen haben und das vom Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen unterstützt wird. Der Wettbewerb wird von Kultur 2000 - Bildung und Kultur gefördert.